Sneak Preview

Der Ofen

Als nun der Ofen auch im zehnten Jahr
kalt blieb und schlecht beheizbar war
da packten sie ihr Bündel und sie zogen los
denn kalt war ihnen immer wieder
und ihre Not war groß

Sie gingen leicht und ziemlich unbeschwert
der neue Weg war fremd, doch nicht verkehrt
und keine Bürde hatten sie zu tragen
sie gingen weit und ohne einen Blick zurück
so konnte man es wagen

Lang blieb man nie am gleichen Ort
denn schnell zog es sie wieder in die Ferne fort
kein Abschied störte je die beiden
sie hatten sich und waren voller Zuversicht
die andern würden Fremde bleiben

Vertraut war ihnen lediglich das Wandern
möglicherweise auch die Nähe von dem andern
doch eines Tags, so gegen Ende vom August, da blieb er stehn
er merkte, dass er sich geändert hatte
und wollte nicht mehr weitergehn

Da war kein Ort wohin er gerne wollte
es war auch nichts zu tun, was er zu tun noch sollte
ihm schien es leer, er ließ sie weiterziehn
und wüsste nicht, was er ihr noch zu sagen hätte
würd‘ er sie heute wiedersehn

————–
Hinter der Bühne im Verborgenen
steht er im Dunkeln und weint
schluchzend am samtenen Vorhang
ein Häuflein Elend er scheint

Verquollen sind seine Augen
die Stimme versiegend und schwer
Glamour und Jubel von gestern
locken ihn wohl nicht mehr

Bis endlich ihn jemand findet
vergeht eine endlose Zeit
man lässt sich nicht gerne sehen
wenn man im Dunkeln weint

die jubelnde Menschen draußen
vermehren nur seine Pein
je lauter sie nach ihm rufen
desto banger wird ihm sein

doch alle Angst ist vergessen
steht er dann im Rampenlicht
von Tränen wird man nichts wissen
er erinnert sich selber ja nicht

Erklingen die ersten Schreie
blitzt tätowierte Haut
dann gibt es keine Panik
nur Bässe hämmern dann laut

Kraftvoll schwingt seine Seele
verzückt ist sein Gesicht
doch nur bis zum nächsten Auftritt
dann will er wieder nicht…

Gedanken

Ein Kluger lässt den Kummer
ganz willig in sein Herz
wälzt hin und her das Schwere
und wächst an seinem Schmerz

Ein kluger Mensch kann auch dem Leid
so manches abgewinnen
Gefühle können sich entfalten
doch niemals gibt es ein Entrinnen
der Trauer in Gedanken

Ein kluger Mensch kann auch
dem Leid so manches abgewinnen
Gefühle können sich entfalten
doch niemals gibt es ein Entrinnen
der Trauer in Gedanken

——

Ein kluger Mensch kann auch dem Leid
so manches abgewinnen
Gefühle können sich entfalten
doch mancher° Trauer in Gedanken
gibts niemals ein Entrinnen

Aufhebung der Sprachverwirrung

Lass uns eine Spur ziehen
durch die Sprachen dieser Welt
mit Lachen, Musik, selbst Weinen
oder Tanz, wenn es gerade gefällt

Alle können wir verstehen
wenn wir guten willens sind
den andern als Vertrauten sehen
ob stille Frau, Mann, wildes Kind

Lass diese Spur uns ziehen
durch alle Sprachen, die es gibt
gemeinsam lachen oder trauern
sich freuen, dass man liebt

Lass diese Spur uns ziehen
und fange im Kleinen an
es geht viel um Vertrauen
fang‘ bei dem nächstenNächsten/? an

——————————-

Im Kühlen der Gartenfrühe
es straffe Knospen noch sind
beginnende Ahnung vom Werden
im flüchtigen Morgenwind

Wolllüstige Blüten dann öffnen
vielblättrigen Überschwang
sinnlich wie üppige Brüste
erregend am Mittag dann

Und selbst noch im Verblühen
in lottriger Blütenpracht
betörender Duft im Vergehen
fast sinnlich in heisser Nacht

29 Antworten zu Sneak Preview

  1. Liebende Marlis

    Wenn Ich in Meinem nächsten Leben Arzt bin
    händige Ich nach der Sprechstunde diese Perlen der Poesie
    Meinen Patienten als Rezept aus
    Drei Mal täglich lesen
    Vier Wochen praktizieren
    Dann sind Sie geheilt

    danke
    Dir Joachimsherz

    • wederwill schreibt:

      Ach, lieber Joachim, was für schöne Worte, wärst du ein Doktor, fielen dir sicher noch viel mehr ausgefallene und gute Heilmethoden ein. Du musst nicht unbedingt ein Arzt sein, um anderen wohlzutun – deine Worte tun es genau so schon! Einen schönen Mittwochabend wünsche ich dir und sende die herzlichsten Grüße,
      Marlis

  2. Liebe Marlis, ich habe das schöne Gedicht „Frühling“ und Gedichte zum Frühling von maccabros und mir in https://spieldergezeiten.wordpress.com/2015/03/12/gedichte-zum-fruhling/
    gemeinsam eingestellt …

    damit sie nicht in den Kommentaren im Blog “ http://WortesindwieFenster“ ungelesen bleiben :-).

    Vielen Dank für Deinen Kommentar dort, liebe Marlis.
    Barbara

    • wederwill schreibt:

      Liebe Barbara, das ehrt mich und ich freue mich sehr darüber! Wir hatten das Gedicht gestern bei uns auf dem blog (wegen der erneuten Morgenkühle) und ich würde gern – wenn du und maccabros einverstanden wären – deinen Beitrag nächste Woche rebloggen. (bis Sonntag haben wir unsere Reihenfolge schon festgelegt)
      Einen ganz lieben Gruß aus dem trüben, ganz und gar unfrühlingshaften Jena sendet Dir
      Marlis

      • Liebe Marlis, das freut mich. Ich finde es richtig gut, wenn miteinander Lyrik geschrieben wird, man sich auf diese Art unterhält. Ich bin für diese Art von Gemeinsamkeit ganz offen.
        Herzliche Grüße Barbara

  3. saetzebirgit schreibt:

    Schön…auch die Katze hat Winterspeck. Da tun wir uns zusammen 🙂

    • wederwill schreibt:

      fast hätte ich in Klammern drunter geschrieben ‚für Birgit‘ weil ja für dich als Ansicht gedacht, nur gut, dass ich es nicht gemacht hab, sonst hättest du es auf deinen (vermeintlichen?) Winterspeck bezogen, aber es hätte auch auf mich als Birgit gepasst, ich nenne es allerdings Behaglichkeitsspeck 🙂
      Liebe Grüße, Birgit

      • saetzebirgit schreibt:

        Behaglichkeitsspeck – das ist ein schöner Ausdruck, den übernehme ich. Und mach dir wegen eines vermeindlichen Persönlichnehmens keine Gedanken – echte Frauen haben Kurven, ob eingebildete oder nicht 🙂 Liebe Grüße von Birgit Loren. 🙂 (WITZ).

      • wederwill schreibt:

        ich weiß ja nicht mal, wie du im Ganzen aussiehst, ich kenne nur das Foto, wo du dich hinter einem Bücherberg versteckst :-), aber nun habe ich so in etwa ein Bild vor meinem geistigen Auge 🙂
        liebe Grüße von
        Birgit Bardot (ebenfalls Witz)

      • saetzebirgit schreibt:

        Haha 🙂 Es schreibt zurück Bertholde Brechtig. 🙂

      • wederwill schreibt:

        🙂 das muss ich so stehen lassen :-))), da fällt mir keine passende Erwiderung ein, liebe Bertholde, aber:
        Ich habe das letzte Wort!
        oder?

  4. derverstecktepoet schreibt:

    Wie toll ist das denn ! Herrlich lz

  5. jpfotenhauer schreibt:

    alles schläft, einsam wacht! Das hättet ihr zum Heiligabend reinstellen können…..
    Liebe Grüße,
    Pfote

  6. oskardelalupa schreibt:

    Sehr geehrter Klausbernd,

    ich bin sehr angetan von Ihren schönen Kommentaren. Ich bin ein großer Freund stärker Dialoge und Interpretationen. Ich finde auch den Gedankenanstoss von Frau Gunder-Meyer wunderbar. Er gibt einem die Möglichkeit eigene Reflexionen in die Gedankenwelt des Dichters zu bringen.
    Ich stimme mit Ihrer Charakterisierung des Gedichtes voll und ganz überein. Nach langem Nachdenken, wie ich das Gedicht empfinden, war ich sehr froh, dass Sie das ganze so gut in Worte fassen konnten, was ich nur in Gedanken geschafft habe.

    Herzlichst,

    Ihr Oskar de la Lupa

  7. Klausbernd schreibt:

    Liebe Hannelore,

    sorry, wenn ich jetzt kritisierend auftrete, ich weiß, das ist in der Blogosphäre eher unüblich, aber ein Zeichen von mir, dass ich deinen Text ernst nehme. Genug der Entschuldigung. Ich finde gleich die erste Strophe zu wertend, was besonders noch durch den Rhythmus hervorgehoben wird, da das „Besser“ an betonter Stelle in der letzten Zeile steht. Anyway, das kommt mir vor, wie die Reaktion der Frühromantiker auf die Aufklärung – platt gesagt: Gefühl über Nachdenken. Darf ich mir eine Bosheit erlauben? Das führt zum Fanatismus. Ich strebe, freilich als Mann, ein reflektiertes Gefühl an – ich lerne von meinen beiden Buchfeen, Siri und Selma, die liebklug sind.

    Herzliche Grüße von der sonnigen Küste Nord Norfolks
    Klausbernd

    • Michaela Gunder-Meyer schreibt:

      Sehr geehrter Klausbernd,

      ich selbst nehme die verschiedensten Blogs, aber vor allem diesen, sehr ernst. Des weiteren stelle die Lyrik anderer gern in Frage, deshalb kann ich Sie auch sehr gut verstehen, wenn Sie Ihre Sicht zu einem lyrischen Werk anbringen.
      Leider muss ich mit Ihnen den Dialog suchen, weil ich genau anderer Meinung bin. Gedichte sind für mich wie einzelne Bewohner einer Stadt, jedes hat seinen eigenen Charakter, manche sind schwülstig, manche sind anspruchsvoll, manche böse, manche voll Dank und manche sprechen das an was man denkt. Genau dies sollten wir im Kontext sehen, dass er Dichter sich so seine Stadt erbaut. Und wäre es nicht ohne Zauber, wenn nicht jeder Bewohner den gleichen Charakter hätte?
      Glauben Sie mir, ich habe schon viele „Städte“ besucht und schnell wieder verlassen, wo mir nur geklonte Bewohner entgegenkamen.

      Ich bitte Sie nun, schauen Sie mit diesen Augen auf das Werk und sagen Sie mir welchen Charakter diese „Person“ für Sie hat.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihre Michaela Gunder-Meyer

      • oskardelalupa schreibt:

        Liebe Frau Gunder-Meyer,

        ich danke Ihnen für den schönen Denkanstoß.

        Ihr Oskar de la Lupa

      • wederwill schreibt:

        Liebe Frau Gunder-Meyer,
        ein herzliches Dankeschön für das schöne Bild der mit Gedichten bevölkerten lyrischen Stadt voller Zauber, einer Art Smaragdenstadt (um mich mal bei A. Wolkow zu bedienen), wo jeder auf seine Weise liebenswert ist. Ein schönes Bild – ein schöner Vergleich!
        Bleiben Sie uns gewogen!
        Ihr Wederwill-Team

      • Klausbernd schreibt:

        Liebe Michaela,
        zuerst einmal recht herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort. Welch schöne Metapher vom Dichter als Städtebauer. So sah ich es noch nie, das ist wirklich eine spannende Frage „wie baut ein Dichter seine Welt?“ Ich bin nicht so in Lyrik bewandert, außer in Brechts Spätlyrik (worüber ich ein Buch in der Reihe „Europäische Hochschulschriften“ veröffentlichte), Rilke und Leonard Cohen. Vielen Dank, dass du mich auf diese Sichtweise aufmerksam machtest.
        Du hast völlig recht, man muss ein Werk im Zusammenhang sehen. Mir als naiven Besucher eures Blogs würde es helfen, wenn ich bei euch eine kurze Darstellung von Benn Wederwills Leben und Werk finden würde – oder bin ich blind?
        Welche Fangfrage nach dem Charakter der Person. Du erwartest eine ehrliche Antwort, I suppose. Das Erste, das mir einfällt, ist naiv spontan, da die Wortwahl Worte verschiedener Stilebenen wie in der Umgangssprache umfasst, zugleich jedoch eine Bemühen um die rhythmische Form … Ich lass mich mal von dir auf Glatteis locken: eine spontane Person, die sich bemüht, ihre Form zu finden.
        Ich finde es hervorragend, dass auf eurem Blog echte Auseinandersetzungen stattfinden. Mit herzlichen Grüßen von der heute regnerischen Küste Norfolks
        Klausbernd

    • wederwill schreibt:

      Lieber Klausbernd,
      vielen Dank für deine fundierte Kritik und wir fühlen uns tatasächlich sehr geehrt darüber, ja vor allem über das Beschäftigen mit dem Text! Ich musste erst einmal ziemlich über das, was du geschrieben hast, nachdenken und danke dir recht herzlich für deine Hinweise. Interessant sind generell die verschiedenen Sichtweisen von Mann und Frau. Vielleicht sollten wir Frauen uns hier im Team so etwas wie männliche Pendants zu den liebklugen Buchfeen zulegen……aber ob die dann so ein fundiertes Wissen hätten, bliebe dahingestellt.

      Mit bestem Dank und besten Grüßen, an die liebklugen Feen insbesondere!
      Eva

      • Klausbernd schreibt:

        Liebe Eva,
        ich schrieb es schon, ein gaaaaaaaanz, ganz großes Lob: Ich finde es etwas Besonderes, dass auf eurem Blog eine echte Auseinandersetzung stattfinden kann an Stelle des des Austausches der üblichen inhaltsschwach affirmativen Sätzchen 😉
        Seid ihr ein female-only Team? Klar, dann benötigt ihr ein Sprachrohr für euren Animus. Wenn ihr zwei attraktive, helle junge Kerle adoptiert, werden Siri und Selma sich gleich in sie verlieben – so ich die beiden kenne.
        Mit herzlichen Dank für deine liebe Antwort.
        Einen schönen Tag dir wünschen
        Klausbernd und seine beiden liebklugen Buchfeen Siri und Selma

    • oskardelalupa schreibt:

      Sehr geehrter Klausbernd,
      Ich habe auf Ihren Beitrag geantwortet, leider habe ich erst zu spät gesehen, dass ich dies auch direkt unter Ihrem Beitrag hätte vornehmen können. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich auch meinen Standpunkt durch die Gedanken gehen lassen würden.

      Ihr Oskar de la Lupa

  8. giftigeblonde schreibt:

    Vielen lieben Dank für die Aufmunterung 🙂

  9. Nasti Götne schreibt:

    @Leibesübung
    This is exactly what I ment. It’s directly out of the gym and understandeble for everyone.
    It’s also the best to motivate yourself to get outside and work out hard, like so much people did before and worked for their dreams.
    Thanks for that and keep on going!

  10. jpfotenhauer schreibt:

    Katzentanzlied, kenne ich nur von Sheldon aus „Big Bang Theory“, dort wie hier witzig!
    Pfote

  11. Sandra schreibt:

    Guten Morgen, Wederwill-Team. Gibt´s heute Neues?

  12. Tanja Meier schreibt:

    Beginne mit dem Naheliegendem, dem Einfachen und streiche`le doch erstmal deinen Nächsten, ehe du schon wieder an den weiteren Schritt denkst. Deinen Nächsten kannst du überall streichelnd erreichen: in der Bahn, der Kassenschlange oder im Vorrübergehen, unauffällig oder heftig, grad wie es die Situation erlaubt. Die heutigen Menschen denken viel zu kompliziert, viel zu sehr um die Ecke und wundern sich dann, wenn es mit dem Leben nicht so recht klapppen will, wie es im Lehrbuch steht, dabei liegt es oftmals in ihrer Hand selbst. Also beginne erst einmal mit dem Streicheln, ehe du etwas ausdruckst und auf Reaktionen wartest..
    Tanja Meier

    • wederwill schreibt:

      Sandra per e-mail,
      geschrieben Freitag 8. November, 10:42 Uhr, Betreff: Benn Wederwill im Vogtland

      Katzentanzlied. Schön. Ja, auch ich würde jetzt gerne süße Milch trinken. Aber leider haben mir meine Kollegen nicht den Tisch gedeckt – ich sollte vielleicht das Gedicht mal ausdrucken und als Anregung auf den Tisch legen?
      Ach, wir könnten eineBürokatze brauchen, denn die allgemeine Stimmung ist am Boden. Es herrschet sehr viel Unfriede und ich freue mich jeden Tag aufs neue, wenn ich schon mittags nach Hause fahren kann, und wenn mich dann zu Hause meine kleine Katze miauend und freudig empfängt, dann werde ich wieder an Benns sinniges Gedicht denken.
      Danke 3x,
      Sandra

  13. mira schreibt:

    Lektüre am Morgen. Der Tag beginnt gut, wie nach einem sättigendem Frühstück.
    Danke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s