Wintermorgen

Wintermorgen

Eisig und kalt
liegt der Tag vor mir
Schnee macht ihn hell
obwohl der Himmel
noch dunkel ist
und er schluckt die Geräusche
als hörte man alles
nur einen winzigen Augenblick später

Krähen hinterlassen
rissige Spuren
und vergessen das Krächzen
als wären ihre Stimmen gefroren

Ich wärme die Hände an meinem Hals
und spüre wie die Kälte
sich auf meiner Haut ausbreitet
und bleibe wie betäubt sitzen

Jetzt möchte ich nicht dort sein
dort unten am Fluss
wo der Nebel aufsteigt
möchte nicht die feuchte Luft atmen
und meine Hand nicht
in deiner Tasche vergraben
und nicht deinen Atem sehen
als hättest du einen tiefen Zug
aus deiner starken
Zigarette genommen

Denn der dunkle Fluss wäre jetzt
nur schwarz und bedrohlich

Ich sitze hier allein am Fenster
und empfinde ganz allmählich
die Wärme als wäre sie
gar nichts besonderes
und draußen bringt die Sonne
die Kälte zum Glänzen

Eva Hoffmann, 2005

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Liebesgedichte, Winter abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

37 Antworten zu Wintermorgen

  1. Silberdistel schreibt:

    Leonard Cohen – immer wieder toll. Seine Platten und CDs stehen auch bei mir im Schrank. Dieser Song ist einer meiner liebsten. Schön auch das Gedicht dazu.
    LG von der Silberdistel

  2. giselzitrone schreibt:

    Wunderschönes Gedicht ich wünsche dir ein schönes sonniges Wochenende liebe Grüße von mir Gislinde

    • wederwill schreibt:

      Liebe Gislinde,
      vielen lieben Dank für deine Worte. Mit der Sonne am Wochenende hat es bis jetzt noch nicht so geklappt, aber wenn es heute auch wieder nichts wird – der Frühling liegt ja erst noch vor uns!
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und grüße dich von Herzen,
      Marlis

  3. Anna-Lena schreibt:

    Leonard Cohen – immer wieder ein Genuss.
    Die kalten Tage haben ihre Endzeit bald erreicht, die Sonne hat bereits Kraft und der Frühling steht in den Startlöchern. Das wird unser Herz bald erflammen.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    • wederwill schreibt:

      Liebe Anna-Lena, ganz lieben Dank für deine Worte, ja der Frühling nimmt Anlauf und der Winter wird müde. Heute kann man zwar erst die Kraft der Sonne nur erahnen, aber die Ahnungen sind ja manchmal das Schönste!
      Ganz herzliche Sonntagvormittagsgrüße an dich von
      Marlis

  4. kowkla123 schreibt:

    echt schön geschrieben, wünsche einen guten Wochenteiler

  5. finbarsgift schreibt:

    old Cohen… immer ein Genuss 🙂

  6. Maren Wulf schreibt:

    Schööön! Beides.

  7. ernstblumenstein schreibt:

    ein wunderbarer Text – und wie ich Cohens Suzanne mag !!!
    Hab vielen Dank Marlis und herzliche Grüsse. Ernst

    • wederwill schreibt:

      Lieber Ernst, und ich danke Dir für deinen Kommentar!
      Ich grüße dich ganz herzlich und wünsche dir einen schönen Sonntag voller Frühlingsvorfreude! Herzlichst, Marlis

  8. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ein guter Text, liebe Eva! Nachdenkliche Gedanken in poetische Worte gefaßt, die eine Stimmung erzeugen, die gut nachzuvollziehen ist und die rissigen Spuren der Krähen im Schnee werden mir ebenso wie die Sonne, die die Kälte zum Schmelzen bringt, im Gedächtnis bleiben.

    Herzliche Grüße in die Nacht von Bruni

    • wederwill schreibt:

      Liebe Bruni, vielen Dank für deinen schönen Kommentar. Fast erlebe ich gerade so einen Moment, am Fenster sitzend mit kühlen Händen und (eisiger) Kälte draußen und einer Sonne, die sich zumindest Mühe gibt… Und die Krähen sind keineswegs leise 🙂 Gerade habe ich Minibares Kommentar gelesen – und sie stellte „leise Krähen“ überhaupt in Frage… Aber es gurren auch Tauben draußen und das gibt dem Morgen etwas sehr Harmonisches.
      Der Tag beginnt, die Hände und das Herz sind warm und ich grüße ganz herzlich in deine Richtung, wo die Krokusse bereits in voller bunter Blütenpracht stehen 🙂
      Herzliche Morgengrüße,
      Marlis

  9. minibares schreibt:

    Krähen sind mal leise?
    Gestern abend war mein linkes Bein mal warm, als ich im Bett lag. Ich habe gestaunt, so hatte ich endlich mal auch das rechte Bein eher warm.
    Meist erst gegen 3 bis 4 Uhr.
    Viele Grüße Bärbel

    • wederwill schreibt:

      Liebe Bärbel, vielen Dank für deinen Kommentar – du hast recht „leise Krähen“ sind vielleicht so etwas wie „unterwürfige Katzen“, ein Oxymoron wie das Hallenfreibad 🙂 und gerade fliegt eine vom Baum draußen und verjagt ein Singvögelchen. (Es könnte aber auch eine Elster gewesen sein, aber egal, die sind für mich eine ähnliche Kategorie)
      Gestern abend war ich auf deinem Blog, ich hoffe, dass wir uns bald „wiederlesen“ können und ich wünsche dir Wärme und Zuversicht!
      Herzlichst, Marlis

  10. Flowermaid schreibt:

    … ich hasse Verabschiedungen am Bahnhof… die Lilie gerne als Blume bei Trauerfeiern gesehen in unserem Kulturkreis… ich stehe auch lieber am Fenster und freue mich über das einfallende Licht…

    • wederwill schreibt:

      Liebe Rita, was hast du für schöne Assoziationen geschrieben! Denke ich an Abschiede, dann ebenfalls an zugige Bahnhofshallen und die Unsicherheit, was noch zu sagen oder zum hundertsten male zu wiederholen wäre… und eben habe ich auf deinem Blog eine Gardenienblüte gefunden, weißer als weiß. Und ich erinnere mich an Gardenienduft, mit nichts zu vergleichen, nicht vordergründig lieblich, vielleicht sogar dekadent und schwer, wie etwas, dass kurz davor ist, nicht mehr gut zu sein, es aber in dem Moment gerade noch ist.
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und grüße dich ganz herzlich,
      Marlis

  11. ladyfromhamburg schreibt:

    Traumhaft in Worte gefasst und wunderbar ergänzt durch den Cohen-Song. Geht unter die Haut und gefällt mir außerordentlich gut!

    LG Michèle

    • wederwill schreibt:

      Liebe Michèle,
      vielen Dank für deinen schönen Kommentar, ach es freut mich so sehr, das zu lesen! Ich grüße dich ganz herzlich und wünsche dir einen wunderschönen Sonntag, vielleicht zieht sich dann schon ein kleiner Frühlingshauch durch die Natur und unsere Gedanken 🙂
      Herzliche Grüße sendet dir
      Marlis

  12. Ilanah schreibt:

    Sehr schöne Zeilen.

    Und danke für die Erinnerungen, die ich mit „Suzanne“ verbinde.

    • wederwill schreibt:

      Vielen Dank für deinen schönen Kommentar. Ach, Cohen weckt auch bei mir sehr schöne Erinnerungen, wenn auch oft leicht melancholische…
      Ganz liebe Samstagabendgrüße an dich von
      Marlis

  13. melodiaphilunst schreibt:

    ♡erwärmender Text &Cohen!

  14. Martina Ramsauer schreibt:

    Well, this song and its story just gives me goose pimples, Benn! Thank you very much also for the words in German!:)

  15. SätzeundSchätze schreibt:

    Gerade hat sich hier die Sonne verzogen und wieder wird das Licht vom grauen Winterhimmel erstickt. Und es legte sich eine Kälte auf meine Haut. Da mache ich das Netz auf und lese dieses erst so melancholische Gedicht … das dann aber doch mit einem Hoffnungsschimmer endet… und dazu Cohen – Du weißt ja, wie sehr ich ihn mag.
    Ach, danke für diesen schönen Abendgruß! Jetzt werde ich erst einmal genüßlich eine rauchen und dazu Cohen hören!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s