Der Mann auf der Bank

napoleonstein 2

Der Mann auf der Bank, er wartet
nur er allein weiß, worauf
der Wind pfeift ihm um die Ohren
doch er – er pfeift darauf.

Hätte er einen Hut auf dem Kopfe
so wär‘ dieser längst verweht
den Sturm wird er nicht beachten
er freut sich, dass die Bank noch steht.

Früher hat er oft dagesessen
und damals an später gedacht
jetzt ist es später geworden
die Zeit hat das so gemacht.

Wie lange wird er dort sitzen
nicht spüren wie sie vergeht?
Er könnte noch lange bleiben
so lang wie die Bank dort steht.

(B. Wederwill, 2010)

Foto: lensArt4you, 2014

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38 Antworten zu Der Mann auf der Bank

  1. ernstblumenstein schreibt:

    Was für anregende Gedanken, sie regen mich an. Ueber die Zeit lässt sich endlos sinnieren, sie regt an, geht vor, nach, steht still. Der Mensch braucht die Zeit um zu leben, die Zeit braucht den Menschen nicht. Liebe Grüsse und eine gute Zeit. Ernst

  2. minibares schreibt:

    Solch eine Bank ist standhaft. Die überlebt auch alle Stürme.
    Aber ob der Mann da oben noch so lange aushalten kann?
    irgendwann wird die Bank allein da stehen. Leider.

    • wederwill schreibt:

      Da hast du recht, die Bank ist standhafter als unser Mann, der auf ihr sitzt. Aber vielleicht bricht er auf, um auf um eine windgeschütze Bank zu finden. Vielleicht ist dann dort die Aussicht nicht so aufregend, aber man kann die Stille genießen.
      Auf dass wir alle immer eine passende Bank zum Rasten finden!
      Ich wünsche dir eine gute Woche und sende an dich liebe Grüße!
      Marlis

  3. M. bloggt schreibt:

    Die nötige Gelassenheit um auf das zu pfeifen, von dem man nicht weiß was es ist, bringen wir wohl erst in einem bestimmten Alter auf. Voher, so scheint’s, können wir nicht gelassen genug ins ungewisse Blicken. Vielleicht, weil wir erst im Alter wissen, dass nicht mehr alles kommen kann, da wir das meiste dann schon gesehen haben…
    Ich freue mich, auch 2015 hier wieder schöne und anregende Gedichte zu lesen. Liebe Grüße!

    • wederwill schreibt:

      Vielen Dank für deine lieben und schönen Worte!
      Wahrscheinlich ist es wirklich die Gelassenheit, die uns manchmal am meisten fehlt, um glücklich zu sein, den Windsturm zu genießen anstelle sofort dem davonfliegenden Hut hinterherzurennen…
      Ich wünsche dir eine gute Zeit und auch wir werden ganz gewiss und mit großem Vergnügen 2015 bei dir lesen!
      Herzliche Grüße,
      Marlis

  4. bruni8wortbehagen schreibt:

    ich wünsche Dir, daß Du die strapaziöse, dienstliche Woche gut überstehst, liebe Marlis,
    ich werde an Dich denken, und ich freue mich darauf, die beiden Gedichte gemeinsam
    stehen zu sehen

    Lächelnde Grüße von Bruni

  5. theomix schreibt:

    diese bank hat wohl jede krise überstanden
    da ist dann gut sitzen
    und das später kommen lassen

    • wederwill schreibt:

      Das ist wahr, man hat das Gefühl, die Bank ist eine starke Bastion, auf der man dem Windsturm trotzen kann. Vielleicht säße es sich schöner zu zweit dort, vielleicht kann man aber auch gerade allein besonders gut dort „die Welt auf sich einwirken lassen“.
      Vielen Dank für den Kommentar und ganz herzliche Grüße zum Sonntag!
      Marlis

  6. giselzitrone schreibt:

    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir schönes Gedicht und ein tolles Foto lieber Gruß von mir und einen schönen Tag wünsche ich gruß Gislinde

  7. Anna-Lena schreibt:

    Wenn wir nicht sorgsam mit der Zeit umgehen, weht der Wind uns das Leben weg.
    LG Anna-Lena

    • wederwill schreibt:

      Liebe Anna-Lena, das ist aber schön gesagt! Lassen wir uns also lieber mittragen von der Zeit, so sanft wie möglich und trauern nicht dem Verflossenen nach, sondern nutzen das Gegenwärtige.
      Einen lieben Gruß zum Sonntagabend von
      Marlis

  8. wholelottarosie schreibt:

    Ein unglaublich fantastisches Foto, das den sensiblen Text unterstreicht. Ja, ab einem gewissen Alter wandern die Gedanken gern zurück, aber doch ab und zu nach vorn. Hier und Jetzt. Das, was vor mir liegt. Das, was gewesen ist. Und alles wiegt gleich schwer.
    LG von Rosie

    • wederwill schreibt:

      Liebe Rosie!
      Vielen dank für den schönen Kommentar – ja, alles wiegt gleichschwer! Und manchmal fällt uns das hinterher erst auf. Und wie Peter Ustinov gesagt hat
      „Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“
      Also genießen wir sie!
      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagabend und einen guten Start in die Woche morgen!
      Herzlichst,
      Marlis

  9. absengeralois schreibt:

    Super,auch das Foto! Gruß Alois

  10. S. Meerbothe schreibt:

    Tolle Worte über den Fluss der Zeit.

    Liebe Grüße,
    Silvia

    • wederwill schreibt:

      Liebe Silvia,
      danke für den schönen Kommentar, sie fließt und verweht die Zeit, manchmal unmerklich… Dass wir sie gut nutzen, genießen und sie nicht einfach an uns vorbeifliegen lassen – das wünsch ich uns zum Sonntagabend und sende dir ganz herzliche Grüße!
      Marlis

      • S. Meerbothe schreibt:

        Ja, das ist ein guter Wunsch. Der darf mich begleiten, bis ich irgendwann das zeitliche segne.

        Ebenso herzliche Grüße zurück, liebe Marlis!
        Deine Silvia Meerbothe

  11. BOWMORE Darkest schreibt:

    Die Uhr tickt. Für uns alle.

    • wederwill schreibt:

      Wohl wahr und dass sie uns die Zeit nicht einfach wegtickt, sondern wir sie so gut wie möglich erleben können, das wünsche ich uns zum Sonntagabend!
      Herzliche Grüße,
      Marlis

  12. Gabryon schreibt:

    Hat dies auf Allerlei Kunterbunt… rebloggt und kommentierte:
    Den Kopf frei machen…

  13. eckisoap schreibt:

    es ist so beruhigend! und zauberschön …
    “ …und damals an später gedacht
    jetzt ist es später geworden
    die Zeit hat das so gemacht…“

    • wederwill schreibt:

      Vielen Dank für deinen schönen Kommentar! Ja, es wird so schnell „später“ und wir merken manchmal kaum, wie die Zeit regelrecht verweht. Auch ich wünsche mir da manchmal eine Bank zum Rasten, Ausruhen und Erinnern…
      Auf dass die Zeit nicht einfach an uns vorbeiweht, sondern uns so sanft wie möglich mitträgt – das wünsch ich uns heut abend zum verklingenden Wochenende!
      Herzlichst,
      Marlis

  14. bruni8wortbehagen schreibt:

    *lächel*
    ich seh´ ihn dort sitzen,
    den Mann auf der Bank
    Seine Haare verwehen
    still ist sein Blick,
    seine Gedanken wandern
    ins Vergang´ne zurück

    Gemeinsam saßen
    sie Jahr für Jahr
    Nun sitzt er alleine
    wie´s damals nie war

    Lieber Benn Wederwill, der Mann auf der Bank gab mir zu Ihren leisen u. sehr nachdenklichen Worten nun auch noch eigene ein…

    Herzliche Grüße von Bruni

    • eckisoap schreibt:

      oh bruni, ist das schön ❤

      • bruni8wortbehagen schreibt:

        *lächel*, das freut mich aber, liebe Kerstin
        In den liebenswerten Worten von Benn Wederwill steckten so feine Ideen, da mußte ich ein wenig herumspielen u. eine eigene kleine Geschichte dazu erfinden.

    • finbarsgift schreibt:

      Und was für ein Foto! 🙂

    • wederwill schreibt:

      Liebe Bruni,
      ich bin hocherfreut, dass du von dem Gedicht so wundervoll inspiriert wurdest. Ich muss in der kommenden Woche eine kleine, dienstlich bedingte Pause einlegen, würde aber sehr gern danach, wenn ich darf, deine Zeilen zusammen mit dem Gedicht einstellen.
      Ich grüße dich ganz herzlich und wünsche dir einen schönen Sonntagabend – und wenn ich mir das Foto von dem Mann auf dem zugigen Berg so ansehe, bin ich recht froh, dass ich hier behaglich warm am Fenster sitze und die winterliche Kälte nur sehe und nicht spüren muss 🙂
      herzlichst Marlis

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