Die Regennacht (Ernesto Perudas)

Die Regennacht war kühl und klar und
finster war der Himmel
kein Mond gab seinen goldnen Schein
und dennoch brach in meinem Herzen
ein Damm, unmerklich fein
wie nie zuvor und ganz von innen her
fiel alle Hemmung ab.

Wie ungeheuer ungebunden und ganz frei
war all mein Fühlen jetzt
auf weichen Schwingen flogen
so die Gedanken fort
zu dir, zu dir nur eilten sie
mit ungekannter Kraft.

Und ich, nun fast gedankenleer
ich ging ganz ohne Hast
und ohne einen Hauch von Kummer
zu Fuß ganz langsam, unbeschwert
und ganz im Stillen fort.

(Ernesto Perudas, übersetzt aus dem Spanischen von Eva Hoffmann)

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10 Antworten zu Die Regennacht (Ernesto Perudas)

  1. bruni8wortbehagen schreibt:

    tja, da lese ich nun auch diesen Dialog und viele Fragen u. Antworten gehen mir durch den Kopf.
    Zu sagen wäre vieles, aber ausnahmsweise schweige ich mal still u. denke mir mein Teil, ganz so, wie es Finbar vor zwei Tagen machte…

  2. giselzitrone schreibt:

    Danke liebe Marlis wünsche dir einen schönen Mittwoch nur an der Ahr liegt was Schnee in Köln auch nicht.Lieber Gruß von mir Gislinde

    • wederwill schreibt:

      Liebe Gislinde, jetzt schnell hier noch ein paar liebe Mittwochsgrüße. Der Schnee bei uns hat zum Schneemann gereicht, zwar nur zu einem kleinen, aber immerhin 🙂

      Herzlichst,
      Marlis

  3. dunkelpoet schreibt:

    Das Adjektiv ‚fein‘ ist auch so eins, vergleichbar mit ’still‘ und als wäre ‚fein‘ nicht schon fein genug wirds hier sogar ‚unmerklich fein‘. Aber ich will nicht das Poem analytisch zerhackstückeln. Nur soviel unterm Strich: Wenn man alle Worte der naturalistischen Dramaturgie (die Seelenstimmung spiegelt sich in der Natur) mal weglässt, bleibt nicht mehr viel und das was bleibt ist tausendmal schon gesagt, gefühlt und beschrieben worden.

    Aber liebe Marlies, ist es nicht gerade Sinn der Dichtung, die menschliche Empfindung immer wieder neu darzustellen? Wenn tausend Menschen einen Sonnenuntergan malen, hast du jedesmal das gleiche Bild, aber nie dasselbe, weil jeder doch in Nuancen anders sieht und anders seinen Pinsel führt.

    Und deshalb mag ich dieses Gedicht und seine Trauer und seine Hoffnung und seinen Mut machenden Trost (wer weiß, ob wir es mit den gleichen Evokationen goutieren). Und es mag auch die Übersetzung etwas wegnehmen vom ursprünglichen Glanz der Worte. Aber für mich hat das kleine Poem eine Seele, weil man sich so direkt in diese Situation einfühlen kann und doch oft den Weg nicht geht ..

    Lieben Gruß und schönen Tag dir und Mitstreiter, Sven ❤

    • wederwill schreibt:

      Lieber Sven, deine Kommentare haben es ja richtig in sich! Da muss man sich schon beim Lesen dermaßen konzentrieren 🙂 Ich hoffe, ich kann das noch zu so später Stunde. Ich danke dir ganz herzlich dafür und schätze deine Worte sehr.

      Übersetzungen erfordern tatsächlich immer viel Geschick und Einfühlungsvermögen, manchmal, ganz selten sind sie genauso schön – wenn nicht schöner – als die Originale, aber das kann ich hier nicht einschätzen.
      Aber das Tröstliche im gedicht, das denke ich auch zu erkennen…

      Übrigens bewundere ich sehr deine Produktivität, erstaunlich, was du alles schaffst.Leider komme ich nicht dazu, mich so intensiv damit zu befassen, der Alltag, der Alltag ist es, der meine Zeit frisst (und das mit größtem Appetit :-))
      Sei ganz herzlich gegrüßt zum späten Abend von
      Marlis

      • dunkelpoet schreibt:

        Wenn eine Übersetzung besser ist als das Original, war entweder das Original nicht gut oder der Übersetzer hat falsch übersetzt. Kennst du die Poe-Übersetzung von Arno Schmidt? Diese geht so weit, dass sie dem wahren Poe eine völlig entfremdete Sprache verleiht. Da hab ich geweint, als ich das las, was aus meinem Poe gemacht wurde, von dem ich normalerweise in der kritischen Gesamtausgabe von Thomas Mabbot lese. Lieben Gruß und schönen Abend, Sven

      • wederwill schreibt:

        Nein, lieber Sven, da bin ich nicht im Bilde, hab von Poe nur ein paar Sachen gelesen (als junges Mädchen – vor vielen vielen Jahren also), ich finde, er ist ein typischer „Männerschriftsteller“. Bewundernswert, dass du im Original liest.das ist natürlich immer das Beste, wenn man es kann.
        herzliche Abendgrüße,
        Marlis

      • dunkelpoet schreibt:

        Ich kenn viele Frauen, die Poe lieben. Im Original lesen ist keine Kunst, macht der Herr Wederwill ja auch, sonst könnt er nicht übersetzen. Ich kenn ihn nicht, weiß nicht wer es ist. Dein Mann? Dichtet etwas altbacken, aber nicht übel. Da hätten die Rentner in unserem Literaturclub betimmt ihre helle Freud dran. Ist aber keine große Literatur, eher was für den Eigengebrauch und zum Erfreuen seiner Lieben und will auch nicht mehr sein. Alles fleißig gereimt, ohne große Emotion.

        Lieben Gruß, Sven

      • wederwill schreibt:

        Lieber Sven, du hast Recht, auch wir Frauen lassen uns nicht ungern auf spannende, geheimnisvolle Lektüre ein und ich erinnere mich mit Vergnügen an „Der Untergang des Hauses Usher“ sowohl als Geschichte als auch als schöne Verfilmung.
        Ich sende ganz liebe Grüße und wünsche einen guten 2. Advent,
        Marlis

      • finbarsgift schreibt:

        Interessanter Dyalog!

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