Herbst (Verflogene Tage)

Verflogene Tage
Das Kichern der verflogenen Tage
Auch wie die Hitze der Jünglingszeit
Wichen längst beschämt dem Sinnieren des Alters
Und fragt ihr mich nun: Tut dir das denn leid?

Dann sage ich euch voller empörtem Staunen:
Ich habe noch nie darüber nachgedacht
Ist das Lachen nunmehro auch nur ein zartes Raunen
So hat jetzt ein geschliffenes Denken die Macht.

Ich spüre nun Glätte, wo einst aufgewühlte Wellen
Und Küsse des nachts meiner Schreibfeder Griff
Anstelle der früher bevorzugten Stellen
Wie ein Dampfer so langsam gleitet mein Lebensschiff.

Manchmal greift nach mir mit schmeichelnder Hand
Ganz still und fast zärtlich der Erinnerung Sehnen
Doch dem begegene ich kühl, mit klarem Verstand.

Und so kann ich jetzt sehr gelassen hier lesen:
„Leuchtende Tage: Weine nicht, dass sie vergangen
sondern lächle freundlich, dass sie gewesen!“

(Johann Ephraim Triesnitz)

——————————

„Und sind die Blumen abgeblüht, so brecht der Äpfel goldne Bälle! Hin ist die Zeit der Schwärmerei, nun schätzet endlich das Reelle!“

(Theodor Storm)

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2 Antworten zu Herbst (Verflogene Tage)

  1. bruni8wortbehagen schreibt:

    ich fange mal beim Theodor Storm an: Irre gut, seine Worte, wie könnte es auch anders sein u. mein Herz wärmt sich an seinen Worten u. ich erinnere mich, wie gerne ich ihn gelesen habe vor so vielen Jahren. Nun weiß ich wieder wieso. Ich wußte damals nichts von Lyrik, aber mit Macht zogen mich seine Worte an.

    Perudas, ein kluger, ein lebenskluger Mann, der erkannte, was das Leben ihm als Erfüllung brachte, wie es ihn lehrte, daß das Genussvolle auch im Erinnern liegen kann, denn alle Erinnerungen sind nun gut gehütet im menschlichen Speicher u. abrufbar zu jeder Zeit.

    Das Denken entwickelte sich, brachte Erkenntnis und mit ihr kam die Gelassenheit, die Freude
    über das, was sein konnte, als die Zeit dafür kam. Nun ist der Herbst gekommen und seine
    Farben lassen Neues fließen, neuen Freude kam an und legte sich zu den wachen Sinnen…

    Herzliche Grüße an die Bewahrerin der Worte, an Dich, liebe Marlis, von mir

    • wederwill schreibt:

      Liebe Bruni, auch ich mochte Theodor Storm vor Jahren sehr, habe dann die Zeit zu lesen „verloren“, aber jetzt, wo es an der zeit ist, das Reelle schätzen zu lernen, werde ich ir die Lesezeit zurückerobern 🙂
      Und ich freue mich, dass dir auch der Perudas gefällt – er schreibt manchmal ein bisschen schwärmerisch, aber das liegt wohl auch in der Mentalität der Südamerikaner.
      Danke für deine Worte, sie sind nicht minder klug!!!!!
      Die Bewahrerin der Worte möchte ich gern sein und bleiben, dein Kommentar ist mir Aufmunterung und Ansporn!
      Herzlichst,
      Deine Marlis

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