Erzähle mir von Dir (Ernesto Perudas)

Erzähle mir von dir
wie es war in Umbria
als dein Weg dich führte
durch das weite trockene
aber schöne Land.

Nur die dürren Schafe
teilten deinen Weg
keine weiche Decke
wärmte in der Nacht
nur ihr wollenes Fell.

Erzähle mir von dir
was du keinem sonst
gern erzählen möchtest
von den groben Räubern
die dein Brot dir nahmen

dass du allein und hungrig
in der Fremde bliebst
bis eine Frau dir aber
gerne Brot und Wein gab
und den einen Kuss

den du nie vergessen wirst
weil ersehnt und doch
unverhofft bekommen
in der dunklen Nacht
zum Abschied.

Ohne jeden Groll im Herzen
denkst du nun an jenes Land
in dem du lange fremd geblieben
bis der Kuss der Frau
dir die Heimat fand.

Ernesto Perudas (1963) aus dem Spanischen übersetzt von Eva Hoffmann

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20 Antworten zu Erzähle mir von Dir (Ernesto Perudas)

  1. versspielerin schreibt:

    … ein wunderschönes gedicht.
    heimat ist kein ort … sondern ein wort, oder ein kuss, menschenhand … 🙂

    • wederwill schreibt:

      wie schön gesagt von Dir, Heimat kann so verschiedenartig sein und dort fühlt man sich zu Hause, wo man mit denen zusammensein kann, die man liebt!
      oder wie Ch. Morgenstern gesagt hat: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.“
      Herzliche Abendgrüße sendet
      Marlis

  2. karfunkelfee schreibt:

    Erzähle mir von dir,
    von deinem Landleben
    wie war es
    bevor du mich, Reisenden,
    küsstest?

    Erzähl’mir, Frau,
    von dir und den
    Begegnungen
    die am Ort verblieben
    während ich durch
    Umbria zog, durch
    das weite trockene
    schöne Land.

    Verrate mir, wer du warst, Frau,
    bevor in dir
    meine Heimat fand.

    Liebe Marlis, ich würde das gern bloggen und linke zu dir hin, ja…?
    Es ist eins meiner Lieblingsgedichte, das ich bei dir fand und endlich auch eine korollierende Antwort, wie ich sie mir vom Reisenden wünschen würde.
    😊

    Herzliche Grüße von der Karfunkelfee

    • wederwill schreibt:

      Ich wäre sehr geehrt und freue mich! ich finde es sehr gelungen dein Gedicht, diese nun an die Frau gerichtete Aufforderung zu erzählen. ich würde gern beides zusammen dann noch in die „Beiträgeseite…“ bei uns stellen (wenn ich darf?)
      herzliche Montagmorgengrüße,
      Marlis

      • karfunkelfee schreibt:

        Ja, gern, Marlis…die Ehre ist meinerseits 😊
        …und danke für deine Worte zum Poem.

        Es ist wichtig, eine gute Antwort zu finden und wer nach Heimat sucht, findet sie in den Erinnerungen an das Land und dessen Beständigkeit…das ging mir durch die Rübe, als ich Perudas eine Antwort aus Sicht des Mannes schrieb, der nicht nur gefragt werden will, sondern selbst, auch als Reisender, noch Fragen an Menschen hat, die über ein oberflächliches Interesse hinausgehen.
        Das Gedicht Perudas‘ ist ein Reisender.
        Meines ist dem Ankommen gewidmet.😊

      • wederwill schreibt:

        Und beides ist gleichermaßen schön im Leben: sowohl das Reisen als auch das Ankommen.
        Herzlichen Dank für den Kommentar und ganz liebe Grüße,
        Marlis

  3. minibares schreibt:

    Ein Kuss kann so vieles verändern, das ist ungeheuer, könnte man fast sagen.
    Ganz liebe Grüße Bärbel

  4. nandalya schreibt:

    Bei mir waren es Elfenküsse, die mich die Heimat finden ließen. 😉

  5. anudasa schreibt:

    Ein sehr schönes Gedicht 🙂
    Ganz liebe Grüße von Froschi und Anudasa

  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    ein Kuss kann so vieles verändern…
    Leise in die Nacht lächelnde Grüße von Bruni

    • bruni8wortbehagen schreibt:

      eben lese ich nochmal Deine Übersetzung von E. Perudas und ich würde zu ihm sagen, daß doch die Sternendecke wärmt, die die Schafe über sich haben, aber sie sind dürr und schmal, haben sich keine Pölsterchen anfressen können auf den all zu kargen Weiden, und da braucht es wohl auch eine dicke flauschige Wolkendecke, eine verwunschene Wunder erzeugende Märchendecke, die sie von innen heraus wärmt, so wie es auch die Menschen brauchen…
      Es sind gute und nachdenkliche, scheinbar auch wehmütige Zeilen, liebe Marlis, die Du uns da zeigst und ich denke an Dich am sonnigen Sonntagmorgen.

      Herzlichst Bruni

      • wederwill schreibt:

        Liebe Bruni, ich würde gern das, was Du dem Verfasser sagen würdest von der Sternendecke und den Wundern… zusammen mit der Aufforderung an die Frau zu erzählen (von Karfunkelfee) in „Beiträge/Gedanken…“ stellen????
        Liebe Montagmorgengrüße
        Marlis

      • bruni8wortbehagen schreibt:

        aber gerne, liebe Marlis – das wäre eine feine Kombination – Du und ich bei der Fee – schööön
        Herzlichst
        Deine Bruni

    • wederwill schreibt:

      auch wenn er zum Abschied gegeben wird!
      Gerade Abschiedsküsse bleiben ja in Erinnerung…

      liebe Nachtgrüße von Marlis

  7. … zu Herzen geht – was vom Herzen kommt …
    Danke!
    M.M.

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