Die Kartenlegerin (Benn Wederwill, 2007)

Auf einer Liegewiese sitzt die Zigeunerin
inmitten der Leiterwagen
inmitten sitzt sie drin
sie legt die Karten für alle
die ihr ein Geldstück geben
die fragend sie besuchen
sie legt sie wirklich für jeden

Und weiss die Antwort auf Fragen
die der gegenüber ihr stellt
nicht alles wird sie ihm sagen
was sie in den Karten sieht
kommt Abschied oder Liebe
Geld oder große Not
sie weiß, wem was geschieht

Mein Gott, ich will’s gar nicht wissen
trotzdem gehe ich zu ihr hin
was würde ich denn vermissen
hätt‘ manches ich vorher gewusst?
Und sehn‘ ich mich auch nach Gewissheit
geh‘ ich doch in dieser fort:
Der alten Zigeunersibylle
der glaube ich gar kein Wort

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23 Antworten zu Die Kartenlegerin (Benn Wederwill, 2007)

  1. fridakopp schreibt:

    .“..was würde ich denn vermissen
    hätt’ manches ich vorher gewusst?“
    Dieses ganzen Blicke in die Zukunft machen nur dann Sinn, wenn sie Möglichkeiten bis hin zu Wahrscheinlichkeiten zeigt – die aber noch keineswegs in Stein gemeisselt sind, also noch veränderlich.
    Ich mache ja (wieder) gelegentlich astrologische Beratungen – das würde ich bestimmt nicht tun, wenn es dabei um Prognosen im Sinne von unabänderlichen Gegebenheiten ginge. Das würde ja bedeuten, dass Menschen keinerlei Entscheidungsfreiheit hätten. Was sollte das alles (das Leben?), wenn es nur darum ginge, ein festgelegtes Skript nachzuspielen?

    • wederwill schreibt:

      Ja, das stimmt. Unser Wunsch nach dem Wissen um Zukünftiges bestand schon immer und wird wohl immer bestehen – genauso, wie die Angst davor.
      Egal, wie wir darüber deken und welche Erfahrungen wir gemacht haben, eine gewisse Faszination wird immer bestehen und die Sterne und Sternzeichen gehören ganz sicher zu dem, was für uns immer eine gewisse Mystik behalten wird, genauso wie allein der Blick in einer klaren Nacht in den Himmel!
      Liebe Samstaggrüße,
      Marlis

  2. minibares schreibt:

    Ich war noch nie bei einer Kartenlegerin, werde auch nie hingehen.

    • wederwill schreibt:

      manchmal kitzelt mich die Neugier, einfach wegen der Atmosphäre – aber ich hätte gar nicht die Gelegenhieit gehabt bis jetzt – und glauben würde ich wohl auch nichts…

      Liebe Grüße,
      Marlis

      • minibares schreibt:

        ich war in ganz jungen Jahren mal bei einer, das ist mir inzwischen eingefallen. Aber geglaubt habe ich ihr nix.
        Das war wohl nur aus Spaß an der Freud passiert, lach.

  3. finbarsgift schreibt:

    Ich liebe Kartenspiele aller Arten…
    Doch wozu Karten nur hinlegen?
    Das ergibt doch keinen Sinn…

    • wederwill schreibt:

      Lieber Ludwig, aber was willst Du denn dann machen? Die Karten neu mischen? Das ist allerdings auch eine gute Idee 🙂
      Liebe Grüße zum Mittwochabend,
      Marlis

  4. bruni8wortbehagen schreibt:

    so ist es richtig, liebe Marlis:

    Der alten Zigeunersibylle,
    der glaub ich kein Wort!

    Und doch ist das Kartenlegen, das Lesen aus Kaffeesatz, das Wahrsagen und ä. so alt wie die Welt.
    Immer schon wollten alle wissen, wie es weitergehen könnte, wollten den Liebten bezwingen,
    um einen Liebestrank baten die Jungen und kamen dann wieder, um Hilfe zu bekommen, wenn sie eine Frucht der Liebe nicht behalten konnten.

    Immer gab es eine mitunter auch wirklich weise Frau oder sogar mal einen Mann, der helfen konnte, der um das Geeignete wußte

    Deine Zeilen haben mich an so vieles erinnert.

    Kennst Du dieses bei mir?
    http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2007/juli/gesponnene_seide

    Liebe Grüße von Bruni

    • wederwill schreibt:

      Wir sind immer wieder fasziniert von dem uns Unbekannten und hoffen und würden zu gern glauben, wollen Gewissheit haben und fürchten uns gleichzeitig davor.
      Nein dein schönes Gedicht kannte ich noch nicht – wunderschöne Worte
      „Mit dem Zauber,
      der mir den Nebel ruft,
      hülle ich meinen Garten ein…“ das erledigt im Moment der herbst bei mir von ganz allein, ganz ohne zauber oder eigentlich mit viel Zauber, ganz wie man es sieht…
      Liebe Grüe an Dich zum Abend,
      marlis

      • bruni8wortbehagen schreibt:

        *lach*, bei mir muß der Zauber mithelfen, sonst wird es nix… *grins*

        Ich liebe dieses ältere Gedicht von mir

        LG zu Dir und wo ist die sonne jetzt? Kam sie auch bei Dir inzwischen an???

      • wederwill schreibt:

        sie kam an – die Sonne – verzog sich und ist schon wieder fast da, der Frühnebel ist beinahe weg.
        Ja, es lohnt sich immer sehr, auch mal in den älteren Gedichten bei Dir zu stöbern und zu lesen – und das werde ich jetzt gleich mal tun!
        🙂

  5. Emily schreibt:

    Bisher war ich noch nie bei einer Kartenlegerin, dennoch hatte ich einmal eine interessante Begegnung mit einer Frau, die mir einiges auf den Kopf zugesagt hat. War schon interessant. Wie ernst will man es nehmen?! Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
    Liebe Wochengrüße, Emily

    • wederwill schreibt:

      Ich wüsste gar nicht, wo ich eine finden sollte, stell sie mir wie auf einem alten Jahrmarkt mit Kopftuch und vielen Ketten behängt vor… Nein, ernst würd ich es auch nicht nehmen, höchstens die Atmosphäre genießen 🙂
      Liebe Grüße zur Wochenmitte,
      Marlis

      • Emily schreibt:

        Jaaa, in so ein dunkles Zelt gehen, in dem eine Alte mit Warze auf der Nase vor einer Glaskugel sitzt… 😉

        Liebe Grüße und hab einen schönen Feiertag, Emily

  6. BOWMORE Darkest schreibt:

    Die Kunst des Orakelns ist eine hohe Kunst.

  7. kormoranflug schreibt:

    Die Kartenlegerin benutzt die Karten nur als Show-Einlage für die Kunden. In Wirklichkeit weiss auch ohne Karten viel vom Gegenüber- sie will nicht alles sagen- das kann ich gut verstehen.
    Grusse vom Kormoran: http://kormoranflug.wordpress.com/2012/06/23/die-bergkristallkugel/

    • wederwill schreibt:

      Danke für deinen schönen Beitrag und an den Kommentaren sowohl zu deiner „Bergkristallkugel“ als auch zu der „Kartenlegerin“ kann man sehen, dass das Thema immer wieder reizt: Unsere Fantasie, unseren Widerspruchsgeist und unsere Neugier insbesondere. Und vielleicht ist es mit dem Glauben daran, wie mit der Hypnose: Die, die sich am meisten dagegen wehren, sollen am besten hypnotisierbar sein…
      Ich war noch nie in er Verlegenheit, mich entscheiden zu müssen, glauben oder nicht glauben. Aber wie du auch in deinem Beitrag schreibst, dass Ambiente macht schon auch einiges aus und manchmal wünschten wir uns einfach „Hilfsmittel“.
      Liebe Grüße zum Mittwochabend,
      Marlis

  8. giselzitrone schreibt:

    Einen schönen Montag wünsche ich dir ein gutes Gedicht von der Kartenlegerin.ich wahr noch nie bei einer.Ich wünsche dir eine gute neue Woche lieber Gruß Gislinde

    • wederwill schreibt:

      Danke für deinen Gruß und den Kommentar. Ich war auch noch nie bei einer Wahrsagerin, hatte aber auch noch nie Gelegenheit dazu und auch noch nie das Bedürfnis 🙂
      Liebe Grüße zum Mittwochabend
      Marlis

  9. saetzebirgit schreibt:

    Eimal war ich bei einer Kartenlegerin, aus lauter Neugierde. Sie prophezeite mir: Sie treffen einen behärdlichen Mann (sie meinte wohl, behördlich). Ich beschloss, ihr nichts zu glauben 🙂
    Ich wünsche Euch einen schönen Wochenanfang mit guten Karten!

    • wederwill schreibt:

      Liebe Birgit, wer weiß, was die Wahrsagerin alles unter „behördlich“ fasst, das kann ein sehr weites Feld sein. Du solltest nicht voreilig sein 🙂
      Einen lieben Gruß in der Wochenmitte
      von B. zu B.

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