Tausendundeine Nacht

Die Luft war frisch
und roch nach wildem Koriander
der Abend war noch gar nicht ganz
geboren
da fanden ihre Herzen zueinander
und hatten andrerseits
bereits sich schon verloren

Verstimmte Geigenklänge nervten
und man trank viel zu viel
vom viel zu kalten Wein
doch gar nichts konnte ihre Laune trüben
es war
als wären auf der ganzen Welt
nur sie allein

Sie jagten in der Dunkelheit
mit einer alten Katze
halbnackt
durch manchen finstren Hinterhof
sie ließen alle Etikette fallen
und tanzten bis zum Morgen durch

Am Tag jedoch da mussten sie sich
viel gefallen lassen
nicht jeder konnte ihre Lebensart
verstehen
ganz oft hat man versucht
sie zu verändern

Doch ging das nicht
sie hatten eben eine andere Art
die Welt zu sehen

Momentan machen wir eigentlich eine Blogarbeitspause aber von Zeit zu Zeit werden wir wenigstens immer mal ein Gedicht veröffentlichen. Wir freuen uns über jedes „like“ und jeden Kommentar – werden allerdings nicht zum Beantworten kommen.

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Das alte Haus

Im Dach des alten Hauses nisten weiße Tauben
und alle Fensterscheiben wirken blind
Batistgardinen wehen in Fetzen
als ob sie Lumpensegel sind

Das herrschaftliche alte Haus
zeigt nur noch wie von fern
wie schön und festungsgleich es war
doch grade darum hab ich’s gern

Der große Garten wirkt verwunschen
ganz dunkel, unbegehbar fast
und ginge man durch seine Pforte
wär bestenfalls man nur ein Gast

Dort steigen Schmetterlinge auf
aus buntem, kühlen Stein
und für Sekunden ist der Garten
und alles was drin blüht
für immer mein

Ich sehe alles in Gedanken
was war, was kommt, wo du grad bist
das Haus und wer mal drinnen wohnte
doch auch die Mauer, die darum ist

(Benn Wederwill)

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Blatt für Blatt

und ich verwerfe
was ich schreibe
Blatt für Blatt

und ich vergesse
was ich sehe
Schritt für Schritt

und was ich sage
oder schreibe
vergeht mit einem Mal
im Wind

als ob die Worte
und Gedanken
nur zarte Blüten
Blätter sind

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Flüstern

Und wenn es nur ein Flüstern
in meinem Herzen wäre
so würde ich doch darauf hören

und wenn’s auch in fremder Sprache ist
ich würde das Flüstern verstehen

selbst zartestes Wispern erreichte mich
im lautesten Lärm der Welt

So wispere, flüstere, spreche zu mir
so leise wie es nur geht

und deutlich will ich dir sagen dann:
Ich bin es, die es versteht

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Endstation

Ich zähle die Busse
drei fünf sieben acht
Abschied und Ankunft
im Halbstundentakt

dreizehn zwanzig und vierzig schon
immer die gleiche Sicht
auf ständiges Kommen und Gehen
auf Bleiben leider nicht

Nachts ist es dunkel
im Bus ist es hell
hundert und tausend
die Zeit vergeht schnell

ich zähle die Busse
genüsslich fast
zehntausendeinhundert
auch für mich keine Rast

Kein anderer hätte die Zeit
noch die Ruh‘
zum Zählen der Busse
so wie ich das tu‘

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Körperkultur

In freier Natur sich bewegen
zu genießen an frischer Luft
die Freude an sportlichem Treiben
an Bewegung und Eleganz
ist Einklang von Seele und Leben
ist ein ganz seltsamer Tanz

Und jeder kann es versuchen
ohne Angst und Vorbehalt
bei Wind und Wetter sich recken
ganz ohne Scham oder Scheu
ist wie sich selbst entdecken
als erfindet man sich neu

Ich kann nur jedem empfehlen
treibt Sport auch gerne zu zweit
denn das erhöht deutlich die Freude
und schafft Gemeinsamkeit

Fotos: nicht privat, sondern pinterest😉

Bildschirmfoto 2016-05-25 um 17.06.08

Bildschirmfoto 2016-05-25 um 17.07.45

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Alltäglichkeit

Pflücke mir einen Fliederstrauß
und stell‘ ihn an den Platz
bei der Tür
du weisst schon wo ich meine
dass man ihn sieht
wenn man am Tisch sitzt
und ihn riecht wenn man geht

Und schließe die Fenster
spät am Abend
du weißt doch, die Luft
sie wird manchmal so kalt
dass du neulich schon träumtest
es sei Herbst
dabei haben wir noch April

Und gib mir einen flüchtigen Kuss
wenn du fortgehst
es scheint immer
als wäre das gedankenlos
doch ich werde mich jedesmal
neu darüber freuen
dass es so selbstverständlich ist

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